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Test: Severin Sevo Smart Control GT


Ein E-Flagschiff für Garten und Balkon mit Auflagefläche für eine mittlere Grillparty

Mise en place

Noch immer gilt er bei vielen Hobbygrillern als Vehikel des Grauens: der Elektrogrill. Allerdings sterben sie einfach nicht aus. Die Grills, nicht die Griller, ihr versteht uns. Denn was viele dabei vergessen, ist, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, mit Gas oder Kohle zu hantieren, oder schlichtweg die Bequemlichkeit zu schätzen weiß, dass Strom immer verfügbar ist – wem jemals die Gasflasche bei einem Pulled-Pork-Longjob zwischendurch leergelaufen ist, weiß ein Klagelied davon zu singen. Die fast greifbare Angst vor Elektrogrills kann man in die späten 90er oder Anfang der 00er zurückdatieren, als diverse Billiggeräte auf zumeist studentischen Balkons gesichtet wurden, von denen man rückblickend sagen muss: Man hätte die Grillwurst mit dem Fön schneller heiß bekommen. Unterperformende Heizschnecken waren ein sicherer Garant dafür, dass an Röstaromen nicht zu denken war, und dass nach einem langen und zehrenden Garprozess jedwede Sorte von Fleisch oder Fisch staubtrocken auf dem Teller landete, da halfen auch Unmengen von Senf oder Ketchup nicht mehr. Das Grillgut war zum zweiten Mal gestorben, der Abend ging mit dem flüssigen Teil der Veranstaltung weiter.

 

Mit diesem selbst erlebten Trauma im Nacken öffnen wir argwöhnisch den Karton des Sevo Smart Control GT, die Marketingversprechen klingen nur allzu vollmundig: 500° BoostZone, drei Heizzonen und – wir geben es zu, damit hatte Severin direkt unser Interesse – App-Steuerung…


Auspacken & Inbetriebnahme

Die erste Überraschung kommt direkt beim Blick in den Karton. Der Sevo Smart Control GT ist eine Kante. Keine vornehme Zurückhaltung in der Größe, dieser E-Grill will mit seinen Gas- & Kohle-Verwandten auf Augenhöhe mitmischen und bei Gästen Eindruck schinden. Es gibt ihn wahlweise mit Grillwagen, wir haben uns für die freistehende Variante zum UVP von 669 € entschieden. Unser Tipp: Wenn für euch die Variante inklusive Untertisch auch nur ansatzweise in absehbarer Zukunft in Frage kommt, kauft sie direkt. Ihr spart bei dem Bundle Geld und hinterher auch Nerven, denn den Unterbau findet man nicht ganz so leicht und nur selten günstig im Netz.

 

Deckel auf, Auffangschale, Heizspirale und Grillroste einsetzen: fertig. Danach geht es mit der Einrichtung der App weiter, die den Evo ins heimische W-LAN integriert. Wir halten kurz inne: Ja, dein vielleicht zukünftiger Grill hat W-LAN. Willkommen in der Zukunft. Wovor man allerdings keine Angst haben muss: Es lässt sicht nicht aus Versehen im Halbschlaf der Grill einschalten und während man ins Bett wankt, brennt die Gartenhütte ab. Der Start des Grills will immer noch am Gerät bestätigt werden. Ist dies allerdings abgehakt, kann man sich von der Couch bequem durch die Grillprogramme swipen. Vollgas, indirekte Zone, Boost – eine Fernbedienung für seinen Grill in der Hosentasche zu haben, nimmt dem Thema ein wenig Lagerfeuerromantik, ist aber einfach praktisch – man stelle sich nur den einen Dummen vor, der beim Fußballspiel immer rausrennen muss, um zu gucken, ob der Grill schon auf Temperatur ist.

 

Kommen wir zu einem zweiten Punkt, bei dem vermeintliche High-End-Griller direkt die Nase rümpfen: Das zweiteilige Grillrost besteht aus Edelstahl, kein emailliertes Gusseisen in Sicht. Natürlich merkt man sofort den Argwohn aufsteigen, dass Edelstahl die Hitze nicht so gut speichern und für ein ordentliches Branding an das Grillgut weitergeben kann. Hier gilt: Von wegen. Die Materialstärke ist in einem Bereich, in dem die Roste eben dies bewerkstelligen können. Dank ausreichend Hitze und einer Flip-Technik beim Grillgut bekommt man ein annähernd vollflächiges Branding mitsamt der charakteristischen Zebrastreifens. Wer für individuelle Upgrades zu haben ist: Severin bietet eine separate Plancha und einen Gusseisen-Rost an, die jeweils gegen ein halbes Grillrost getauscht werden können.



Die App

Kommen wir zum Eldorado für Spielkinder und das ewige Kind im Manne: Der "mySeverin"-App, die man kostenlos für iOS und Android im App-Store findet. Dass man hierfür selbstredend einen Account benötigt, ist ebenso nervig wie unumgänglich. Endlich ein Passwort mehr, das man vergessen kann.

Die Bedienung ist denkbar einfach und klar gegliedert. Auf der Startseite finden sich alle relevanten Informationen und das fängt mit dem Zustand des Grills an.

Der Grillmodus lässt sich in drei Varianten einstellen:

"Indirekt" nutzt nur den äußeren Ring der Heizelemente und sorgt für eine der Heißluft im Backofen ähnliche Hitze. Damit lassen sich zum Beispiel Long-Jobs wie Pulled Pork oder in Butcher-Paper eingeschlagene Rippchen auf Temperatur ziehen.

"Normal" dürfte für den klassischen "Flachgriller" die richtige Einstellung sein, wenn man problemlos den kompletten Querschnitt der örtlichen Fleischertheke grillen möchte: Vom Würstchen bis zum Schweinebauch erhält man binnen Minuten gute Ergebnisse mit Röstaromen.

"Boost" ist das Äquivalent zur Sizzle-Zone und gibt ordentlich Temperatur auf die rechte Seite des Rosts.


Das Angrillen

Wir geben es zu: Wir haben uns eines Besseren belehren lassen und sind Elektro-Freunde geworden. Denn egal ob kurzes, scharfes Angrillen oder langsames Schmoren – hier gelingt beides und die App-Steuerung ist natürlich eine willkommene Spielerei. Einzig die Abmessungen des Grills hätten etwas weniger wuchtig ausfallen können, denn so nimmt er schon relativ viel Platz auf dem Balkon ein.



Severin

Sevo Smart Control GT


schwarz / silber

31,5 x 57,5 x 53 cm


599 € | severin.com



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