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Interview: Andi Schweiger über seine TV-Zeit und Inspiration aus Garten und Natur

Aktualisiert: 1. Aug.


Andi Schweigers Outdoorküche
(c) Anna Heupel

Andi, in den sehr wenigen Interviews, die man mit dir im Internet findet, wirst du immer als Sterne- und TV-Koch vorgestellt. Wie sehr, findest du, trifft das überhaupt noch auf dich zu?

Ich bin und bleibe ein Sternekoch, das ist eine Auszeichnung, die ich erhalten haben und die mir erhalten bleibt, auch wenn ich kein Sterne-Restaurant mehr betreibe. Und Fernsehkoch bin ich auch weiterhin, allerdings nicht mehr in der Menge wie früher. Ich war über Jahre wöchentlich oder sogar täglich im Flimmerkasten, und das ist jetzt nicht mehr so.


Darauf wollte ich hinaus, du hast sehr früh bei dem Reality- Koch-TV-Format Die Kochprofis mitgemacht, das bei RTL 2 ausgestrahlt wurde. Nun boomt Kochen im Fernsehen, neue Formate wie "Kitchen Impossible" bis "The Taste" schießen durch die Decke und einige deiner Kollegen sind praktisch überall Stammgast. Warum bist du es nicht? Welches Format würde dich reizen?

Es müsste ein Format geben, das nicht nur auf Drama und auf viel Action ausgelegt ist, sondern einfach mit Kochen zu tun hat. Ich war sogar am Anfang für The Taste angefragt, zu der Zeit aber noch bei einem anderen Sender unter Vertrag. Man darf nicht vergessen, dass da auch ganz viel Senderpolitik mitspielt. Ich konnte beispielsweise erst bei der ARD anfangen, als ich nicht mehr bei RTL 2 war. So etwas weiß der Zuschauer aber nicht. Extremes Beispiel: Ich hatte mal eine Anfrage für eine Kochsendung und war auf dem Weg zum Flughafen, da wurde mein Besuch bei dieser Sendung wieder abgesagt, weil man übersehen hatte, dass ich beim „falschen“ Sender bin.


Wie beurteilst du rückblickend deine Zeit bei "Die Kochprofis"?

Ich habe das damals sehr gerne gemacht, obwohl ich am Anfang überhaupt nicht mitmachen wollte. Dann wurde ich nochmal zum End-Casting eingeladen und dort traf ich Frank Oehler, Mike Süsser und Ole Plogstedt. Die kannte ich damals schon alle, was cool war, zudem haben wir vom Sender sehr wenige Vorgaben bekommen. Wir haben immer genau das sagen können, was wir dachten, auch wenn das nicht immer gut ankam. Es war nichts geskriptet und manchmal konnten wir den Menschen auch leider nicht helfen.


Wie viel Arbeit von euch hat der Zuschauer nicht zu sehen bekommen?

Die Folgen wurden natürlich immer auf die Sendezeit passend zusammengeschnitten, aber hinter der Kamera haben wir extrem viel gekocht. Wobei ich auch da sagen muss: Das war mal mehr, mal weniger. Sympathie hat immer eine wichtige Rolle gespielt.


Ist der Eindruck richtig, dass du immer derjenige in eurer Truppe warst, den es sofort in die Küche geführt hat, und dass du von der Rollenverteilung immer der "Koch" warst, während die anderen sich vielleicht mehr um Marketing und Finanzen gekümmert haben?

Genau, auch da gab es natürlich Vorlieben. Ich wollte immer in die Küche. Frank und Ole haben sich mehr ums Zahlenwerk gekümmert und Mike war gerne draußen in der Stadt und hat sich die Konkurrenz angeschaut oder mit den Leuten geredet. Jeder hatte sein persönliches Ding. Ich bin einfach aus Leidenschaft Koch. Das ist mein Beruf, meine Berufung, mein Traumjob. Ich habe damals ganz oft gehört, dass ich als der Ruhigste rüberkomme, dafür etwas Sinnvolles herauskomme, wenn ich den Mund mal aufmache.


Aber es wird doch auch Kontroversen gegeben haben?

Natürlich. Man darf nicht vergessen, dass wir drei Tage vor Ort waren, und dann wurden wir auch hinter der Kamera manchmal ganz schön blöd angemacht. Darauf kann ich sehr emotional reagieren. Ich meine: Diese Leute haben sich selbst beworben,

die wussten, dass wir kommen, und dann bekommst du mitunter verdorbenes Essen vorgesetzt. Ich hatte mal eine Lebensmittelvergiftung von einem Testessen. Wir haben die Fälle nie dramatisiert, was gezeigt wurde, war echt. Natürlich gab’s auch Dinge, wie einen Aschenbecher in der Küche. Da habe ich den Leuten rigoros erklärt, dass sie den wegräumen sollen, sonst halten wir mit der Kamera drauf. Aber so etwas sind Kleinigkeiten.


Verfolgst du deine TV-Mitstreiter denn noch? Mike Süsser hat mittlerweile zum Beispiel gefühlt 20 Staffeln "Mein Lokal, dein Lokal" gedreht.

Ich schwöre dir, ich habe noch keine einzige Folge davon gesehen. Wir schauen gar kein Fernsehen mehr, denn entweder arbeiten wir oder wir verbringen unsere wenige Freizeit anders, gerade jetzt mit unserem Nachwuchs. Aber ich habe vor zwei Wochen noch mit Mike telefoniert. So etwas ist mir wichtiger.


Kommen wir nochmal auf den TV-Boom zurück: Gibt es wirklich kein Format, das dich aktuell reizt?

Wie gesagt: Wir empfangen seit 16 Jahren keine Fernsehprogramme mehr zuhause. Das heißt, ich könnte dir aktuell nicht einmal sagen, wie sehr Kochen gerade boomt und was es vielleicht als Herausforderung gäbe. Franzi und ich haben in unserem Leben für so etwas keine Zeit gehabt oder wollen sie uns einfach nicht nehmen. Wir haben erst unser Sterne-Restaurant und dann eine Kochschule aufgebaut. Wenn noch Zeit war, haben wir Kochbücher geschrieben. Wir machen alles Do-It-Youself, egal ob Fotoshooting oder Rezepterstellung. Wenn wir ein Catering veranstalten, dann bin ich es, der das Auto ein- und auslädt und am Ende auch noch den Müll entsorgt.

Franzi: (lacht) Andi fährt ja sogar jede Bestellung aus dem Hofladen zur Post.


Andi Schweigers Outdoorküche
(c) Anna Heupel

Wie sehr beobachtest du denn, wohin sich Kulinarik entwickelt? Was gerade angesagt ist?

Ich könnte jetzt sagen, dass die Leute mehr in Richtung Bio gehen und sich bewusster ernähren. Aber ich weiß auch, dass ich in einer Blase lebe, in der nur mein Umfeld so tickt. Diesen Menschen sind diese Themen wichtig und sie geben ihr Geld dafür aus. Das beste Beispiel ist meine Kochschule. Ich biete Kurse in verschiedenen Preisklassen an, darunter beispielsweise auch einen Kurs für 300 Euro. Wenn jemand dieses Geld ausgibt, dann beschäftigt er sich automatisch mit dem Thema Ernährung und mit Lebensmitteln.


Und was machen die anderen?

Die Wahrheit ist, dass wahrscheinlich 90 Prozent in die Discounter laufen und für einen Euro Grillfleisch kaufen. Darum muss man sich die Frage stellen, ob sich wirklich etwas ändert, oder ob ein Thema gerade von der Presse ein bisschen groß gemacht wird. Zur Wahrheit gehört auch, dass diese Beschäftigung mit Lebensmitteln natürlich auch ein Privileg für diejenigen ist, die es sich finanziell erlauben können.


Dass man selbst im Discounter immer mehr auf Bio-Produkte stößt, bringt also auch nichts?

Lass es drei oder vier Jahre her sein, da war bei uns mal ein Chefeinkäufer für Süddeutschland von einem großen gehobenen Supermarkt in Deutschland, den habe ich gefragt, wie viel Prozent von den verkauften Lebensmitteln biologisch seien. Seine Antwort: Im Durchschnitt 5 Prozent, davon sind es in der Stadt 7 Prozent und auf dem Land 3 Prozent. Das war es dann auch. Die Zahlen konnte mir ein befreundeter Bio-Bauer bestätigen.


Wie positionierst du dich?

Es ist schwierig. Ich wünsche mir, dass viel mehr Leute umdenken. Ich wünsche mir, dass sie weniger Fleisch essen, und ich wünsche mir auch, dass mehr Wert auf Produktqualität gelegt wird. Ich kann nur sagen: Für unsere Kochschule haben wir das komplett durchgezogen. Unsere Milchprodukte und unser Gemüse – das ist alles in Bio-Qualität oder aus dem eigenen Garten. Und dann haben wir noch Züchter, die vielleicht nicht das Bio-Zertifikat draufstempeln können, aber ich kenne die Leute und weiß, dass die eine geile Qualität haben.


Wenn wir von weniger Fleisch und besseren Zutaten sprechen – inwieweit gab es im Vorfeld eures Outdoor-Kochbuchs Diskussionen darüber, welche Rezepte in das Buch kommen? Denn wenn man das Thema Grillen und BBQ in den sozialen Medien verfolgt, geht es meist nur darum, wer das größere Steak auf den Grill wirft. Das ähnelt eher einem Fleisch-Wettkampf.

Das war nie unser Thema. Dieses Buch ist einfach zu einhundert Prozent authentisch – für das, was wir mögen und was wir selbst gerne essen.

Franzi: Wir könnten es auch als "Soulfood-Buch" titulieren, als unsere Wohlfühlküche. In diesem Buch steckt extrem viel Energie, Liebe und Leidenschaft – es kommt aus dem Bauch. Das sind unsere Wohlfühlrezepte, die wir auch schon seit Jahren kochen und dabei ist es eigentlich egal, ob das draußen oder drinnen ist. Die Gerichte können sowohl einfach, aber auch mal komplexer sein.


Also ist der inoffizielle Titel eigentlich "Soulfood-Küche. Aber draußen".

So könnte man das wahrscheinlich auch nennen, aber dann wirkt es wieder so, als wolltest du ein Instagram-Hashtag bemühen. Bei uns ist es einfach so: Wir wohnen auf dem Land, wir haben zwei oder drei Grills ums Haus herumstehen. Wir haben einen Holzofen, wir haben eine Räuchertonne. Und Franzis Papa bewirtschaftet den Garten, ich könnte dir Bilder von einem Quadratmeter Salbei zeigen und daneben steht ein Quadratmeter Majoran. Ich schaue auch gerade um mich herum und sehe, dass die ersten Himbeeren kommen, und wir haben noch unzählige essbare Pflanzen mehr. Wir feiern morgen einen Geburtstag und da lege ich auch ein Stück Fleisch auf den Grill, aber das Fleisch wird maximal 30 Prozent des Essens ausmachen. Der Großteil besteht aus Gemüse und Salat – und ich habe noch asiatische Nudeln eingelegt.

Franzi: Unser Garten ist für uns auch eine Inspirationsquelle, er lädt einfach zum Kochen ein, besser gesagt: zum Genießen. Sich draußen mit Essen zu beschäftigen ist ein steter Quell für neue Gerichte, und wenn es nur Kleinigkeiten sind, die wir mit einbauen können.

Andi: Wir wurden vom Verlag auch gefragt, ob wir nicht Lust hätten, auch etwas im Dutch Oven zu machen, aber das ist einfach nicht unser Ding, das ist nicht die Art, wie wir kochen. Wir wollten uns auch nicht dem angesagten Thema Van-Life- Kochbuch verschreiben.


Wir halten fest: Familie Schweiger ist trendresistent.

Vielleicht. Das war damals schon bei meinem vegetarischen Kochbuch so. Das habe ich mir einfach in den Kopf gesetzt, obwohl ich selbst kein Vegetarier war. Aber eine Freundin hatte mir ihr vegetarisches Lieblingskochbuch gezeigt, und das war so ein Schmarrn. Da habe ich mir direkt vorgenommen, so etwas vernünftig zu machen. Eigentlich gab es auch relativ konkrete Planungen, dass das neue Kochbuch eines über gesunde Ernährung hätte sein sollen. Aber dann ist Franzi vorgeprescht und hat die Outdoor-Idee ins Spiel gebracht. Dafür weiß ich jetzt schon, was mein nächstes Projekt sein wird.

 

Zur Person:

Andreas Schweiger, geboren am 05.03.1976 in Karlsruhe, begann mit 17 Jahren eine Kochlehre. Nach Stationen u. a. in Stuttgart, London und München eröffnete er 2006 mit seiner Frau Franziska Schweiger das schweiger2 in München. 2016 übergab er das Restaurant und eröffnete eine Kochschule. Als Fernsehkoch war er ab 2009 in der RTL-II-Gastro-Doku Die Kochprofis – Einsatz am Herd zu sehen. Aktuell ist Schweiger als Koch bei verschiedenen Formaten wie dem ARD-Buffet tätig.


Andi Schweigers Outdoorküche

Schweigers Outdoorküche: Die besten Rezepte für Abenteurer und Feinschmecker


Dass Kochen unter freiem Himmel keinesfalls immer mit Grillwurst und Kartoffelsalat enden muss, beweisen Franzi und Andi Schweiger in dieser vielfältigen Rezeptzusammenstellung, die Fleischesser und Vegetarier gleichsam glücklich macht.


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