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Ex-Fußballprofi Marcel Maltritz über Spaß und steile Lernkurven beim Trendsport Padel-Tennis.


Padel Tennis Marcel Maltritz Bochum
(c) Tim Kramer

Marcel, warum sollte man Padel-Tennis spielen?

Das Hauptargument ist die Lernkurve, die beim Padel sehr schnell nach oben geht. Im Tennis muss man einige Jahre trainieren, um richtige Ballwechsel spielen zu können, das geht beim Padel direkt nach einer Einweisung. Man kann ohne Vorkenntnisse Spaß haben, das ist der große Unterschied zum Tennis. Wenn man ein bisschen Racket-Erfahrung hat, sei es Squash, Tischtennis oder Tennis, geht es sehr schnell, dass man ein Gefühl für den Ball bekommt.

Um besser zu werden, muss man natürlich auch trainieren und viel spielen, aber man lernt viel schneller, deshalb ist Padel so erfolgreich.

Woran liegt es, dass man Padel schneller erlernt?

Der Schläger hat einen kurzen Griff und die Angabe wird von unten gespielt, das sind zwei Vorteile. Und dann gibt es noch das Spiel mit der Glaswand oder dem Zaun, das man zwar üben muss, aber: Wenn der Ball beim Tennis an dir vorbeigeht, ist es ein Punkt oder der Ball ist im Aus, beim Padel kommt er wieder. Das muss man wissen. Es geht oft darum, das Netz zu gewinnen, weil man dort viele Punkte macht, indem man Volley spielt. Es entwickeln sich jedenfalls schnell unfassbare, lange Ballwechsel. Selbst wenn der Ball weit unten ist, kann man ihn über das Glas wieder zurückspielen. Man hat eigentlich immer Zeit, um zu reagieren, wird aber schnell hektisch und trifft vielleicht die falsche Entscheidung.

Worauf sollte man beim Spiel besonders achten?

Das Spiel mit der Glaswand muss man rauskriegen, man muss wissen, wie der Ball abspringt, wie stark man ihn spielen muss und wo man sich positioniert. Es gibt auch die Möglichkeit Doppelglas zu spielen, über Eck, der Ball muss vorher nur immer auf dem Boden aufticken. Der Lob ist auch ein wichtiger Schlag, wenn der richtig hoch gespielt wird, dann sieht man, was der andere macht und kann beispielsweise ans Netz gehen. Wenn der Lob eine gute Länge hat, tickt er nah an der Glaswand auf – und was machst du dann? Ein anderes Ziel kann es sein, den Ball am Zaun zu platzieren, weil man nie weiß, wie er davon abspringt.

Spielt man immer im Doppel?

Eigentlich schon, auf einem normalen Platz geht es gar nicht anders. Padel ist eigentlich eine reine Doppelsportart, es gibt mittlerweile aber auch ein paar Single-Courts, die etwa halb so breit sind. Die haben sich aber nie richtig durchgesetzt und werden meistens nur gebaut, wenn noch etwas Platz übrig ist.

Haben Tennisspieler einen Vorteil beim Padel?

Meistens schon, weil sie das Volleyspiel beherrschen. Oft hauen die Tennisspieler aber auch viel drauf, was beim Padel nicht unbedingt ein Vorteil ist, weil der Ball immer wiederkommt. Der langsamere Ball ist oft der gefährlichere – Padel ist ein sehr taktischer Sport. Ein Unterschied zum Tennisdoppel, bei dem oft einer vorne und einer hinten spielt, ist das gemeinsame Angreifen und Verteidigen, meistens sind beide Spieler vorne oder hinten und verteidigen ihre Zone.

Hast du selbst auch Tennis gespielt?

Ja, aber nur zum Spaß.

Padel spielst du häufiger?

Ja, fast jeden Tag. Ich habe einen festen Spielpartner, springe aber auch spontan ein, wenn hier jemand ausfällt.

Wann und wo hast du zum ersten Mal gespielt?

Ich habe Padel zum ersten Mal vor fünf Jahren gespielt, da gab es in Gevelsberg noch eine Anlage, die irgendwann leider schließen musste. Ich habe auch Turniere gespielt und so viel Spaß daran gefunden, dass ich gesagt habe, ich möchte das in Bochum auch. Es hat dann leider lange gedauert, bis ich meinen Plan umsetzen konnte.

Weil du nach einem geeigneten Platz gesucht hast?

Ja, das Problem in Deutschland ist, dass du nicht ins Gewerbegebiet kannst, weil da kein Sport zulässig ist. Du kannst nicht in jede Gewerbehalle, weil es da auch nicht erlaubt ist. Es ist schwierig den geeigneten Platz zu finden, der sich rechnet und der eine gute Verkehrsanbindung hat. Hier habe ich den Vorteil, dass ich mit dem Tennisverein zusammenarbeite und wir uns die Umkleiden beispielsweise teilen. Das macht es ein Stück einfacher.

Padel Tennis Marcel Maltritz Bochum padelworld
(c) Tim Kramer

Nimmt die Anzahl der Padel-Plätze in Deutschland zu?

Ja, in diesem Jahr sind ein paar Anlagen dazu gekommen, immer mehr Vereine bauen vereinzelt Plätze um. Aber ich finde, man braucht schon ein paar Plätze, um etwa auch Turniere veranstalten zu können.

Gibt es schon Padel-Ligen?

Ja, es gibt eine Padel-Bundesliga, die bislang aber semiprofessionell ist. Wir haben hier an der Anlage unsere eigene Liga gestartet, mit 90 Teams und in verschiedenen Kategorien, viele Mixed-Teams. Man kann Padel sehr gut mixed spielen, weil die Kraft nicht so entscheidend ist.

Wieso hast du als ehemaliger Fußballprofi keine Fußballhalle aufgemacht?

Die gibt es schon, zuletzt sogar vereinzelt mit Außenplatz. Aber ich frage mich, wann die Leute zum Spielen in die Halle gehen. Wenn es draußen 25 Grad sind, möchte doch niemand in eine Halle.

Kann man bei dir denn auch im Herbst und Winter gut spielen?

Bei Regen ist es schwierig, weil der Filzball sich vollsaugt und nicht mehr von der Scheibe abspringt. Etwas Nieselregen ist aber nicht schlimm. Ich finde auf jeden Fall, dass Padel draußen mehr Spaß macht als in der Halle.

 

Zur Person

Marcel Maltritz, geboren am 02.10.1978 in Magdeburg, ist ein ehemaliger Fußball-Profi, der in Magdeburg, Wolfsburg, Hamburg und lange für den VfL Bochum spielte. Nach seiner Karriere ist Maltritz dem Ruhrgebiet treu geblieben und eröffnete 2020 in Bochum die padelworld, eine der wenigen Outdoor-Padelanlagen Deutschlands, die auf diesen Seiten zu sehen ist.


Padel-Tennis

Padel ist eine Mischung aus Tennis und Squash und vergleichsweise leicht zu erlernen. Das Spielfeld ist kleiner als beim Tennis und von Glaswänden und Zaun begrenzt, die ins Spiel miteinbezogen werden dürfen. Padel wird mit kurzen Kunststoffschlägern und in der Regel im Doppel gespielt. Die Sportart ist mehr von Taktik und Geschick als von Kraft geprägt.