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Interview: Emily Blunt und Matt Damon über Christopher Nolan und dessen aktuellen Film "Oppenheimer"

Aktualisiert: 22. Dez. 2023


Oppenheimer Emily Blunt
© Universal Studios / All rights reserved

Wie war der Moment, als ihr davon gehört habt, dass ihr für Christopher Nolans neuen Film Oppenheimer gecastet wurdet?

Emily Blunt: Matt war vorbeigekommen, um sich mit meinem Mann John zu treffen, direkt nachdem Chris[topher Nolan] zu Matt gekommen war, um ihm das Drehbuch zum Lesen zu geben. Die Chance zu bekommen, mit Chris zusammenzuarbeiten, hat uns beide natürlich umgehauen.

Matt Damon: Emily und ich leben im selben Apartmentkomplex, und das Witzige daran war, dass Chris bei mir bereits wusste, dass er die Rolle auch Emily überlassen würde, aber er wollte nicht, dass es so aussah, als würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er gab später auch zu, schon gewusst zu haben, dass er Emily die Rolle geben würde. Er wartete aber noch fünf Tage, weil er wusste, dass sie dann in LA sein würde. Sie kam dann zu ihm nach Hause und erhielt das Drehbuch.


Was macht Nolan zu einem besonderen Filmemacher?

Damon: Er hat genau das Maß an Liebe zum Detail, das etwa auch Stanley Kubrick hatte. Außerdem kann er auf sein fundiertes Wissen zurückgreifen, auf seine Recherchen und sein Verständnis für die Dynamik zwischen verschiedenen Charakteren. Er weiß, wie er Ideen prägnant zusammenfasst und in einen Film einfügt. Das Buch, auf dem der Film basiert, ist schließlich ein dicker Wälzer – mit kleiner Schriftart. Ich brauchte eine Brille, um das Buch überhaupt lesen zu können! Chris hat es geschafft, alles in diesen Film zu integrieren, jedes Bild steckt voller Informationen. Man kann sich diesen Film zehn Mal ansehen und wird jedes Mal etwas Neues entdecken.


Wie ist er als Regisseur?

Blunt: Man spürt, wie souverän er am Set arbeitet. Ich empfinde Chris nicht als besonders anspruchsvoll, wie einige behaupten. Er ist wirklich interessiert an dem, was man selbst in seiner Rolle einbringen kann. Das macht deutlich, dass er seine Schauspieler aus einem bestimmten Grund gecastet hat. Er lässt einen das auch wissen und möchte sehen, wie man sich entfaltet. Das gefällt mir sehr an ihm.

Damon: Nun ja, ich denke aber schon, dass er in einigen Details anspruchsvoll ist.

Blunt: Ja, was die kleinen Dinge betrifft. Aber ich möchte mit Regisseuren zusammenarbeiten, die sich um die kleinen Dinge kümmern, weil sie alles sehen.

Damon: Was die Darbietung angeht, ist man bei Chris völlig frei. Er möchte wirklich sehen, was man aus der Rolle macht.

Blunt: Und er ist am Set eine echte Autorität. Er kommt zwar sehr ruhig rüber, aber ich bin mir sicher, dass in seinem Kopf die Ideen und Gedanken toben, auch wenn er das versteckt. Und die meisten Leute ahnen auch nicht, wie lustig er ist.


© Universal Studios / All rights reserved

Wie ist also die Stimmung am Set von Nolan?

Damon: Jeder ist frohl, dort zu sein. Man spürt diesen Spirit in jeder Abteilung, jeder gibt sein Bestes. Man arbeitet, bis man todmüde ist, denn man will alles geben – schließlich tut Chris das genauso. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst, das sieht man. Und so folgt man sozusagen seinem Wort und arbeitet in gleicher Weise, ohne dass er dazu etwas sagen muss.

Blunt: Und obwohl er so ein großer Kerl ist, schafft er es, unsichtbar zu bleiben – ich weiß nicht, wie. Ich habe etwa nicht bemerkt, dass er einmal neben der Kamera stand und mich anstarrte. Er kann irgendwie verschwinden, das ist cool.

Damon: Er ist wie einer aus der alten Regisseure-Garde, aus den Zeiten, als man am Set nicht alles per Monitor überprüft hat. Francis Ford Coppola hat vor drei Jahrzehnten zu mir gesagt, Michelangelo Antonioni habe ihm beigebracht, direkt neben der Kamera zu sitzen, um alles mit bloßem Auge sehen zu können und menschliches Verhalten zu erkennen, das man fühlen könne. Dann wendet man sich kurz an den Kameramann, der als Einziger durch die Linse schaut, um sicherzustellen, dass er das Gleiche gesehen hat. So wurden Filme gemacht, bis die Monitore auftauchten.

Blunt: Bei Chris hat man das Gefühl, dass seine Entscheidung, wann er mit der Aufnahme zufrieden ist, nicht von der Optik abhängt, sondern von dem Gefühl, das er hat. Und er ist so britisch, dass er nicht mit Superlativen lobt. Man hört eher etwas von ich wie: „Gut. Ja. Zufrieden. Okay. Weiter geht’s.“ So ist es auch in meiner Familie, und Chris sieht lustigerweise sogar aus wie mein Onkel, was ich ihm aber nicht sagen will. (lacht)


Wie war es für euch, Oppenheimer letztlich im Kino zu sehen?

Blunt: Sehr emotional. Es fühlte sich so an, als wäre ich mittendrin, als ob Arme aus dem Film herauskamen, sich um mich legten und mich direkt hineinzogen.

Damon: Oppenheimer ist großartig und überwältigend. Den Film zu sehen, war wie das Erlebnis, das ich beim Lesen des Drehbuchs hatte, obwohl dieses Gefühl durch den Film noch verstärkt wurde. Er ist in der Ich-Form geschrieben, was ich zuvor noch nie gesehen hatte. Der Film hat einen in seinen Bann gezogen, man konnte eine subjektive Erfahrung nacherleben, die überwältigend war.

Blunt: Beim Zuschauen kommt es einem vor, als säße man in einem außer Kontrolle geratenen Zug.


Das Interview entstand vor dem Streik der Screen Actors Guild.

 

Emily Blunt, geboren am 23. Februar 1983, ist eine britisch-US-amerikanische Schauspielerin. Sie wuchs im Londoner Stadtteil Roehampton auf und widmete sich während ihrer Schulzeit der Schauspielerei. Über das Theater und das Fernsehen kam sie nach Hollywood, wo sie mit Der Teufel trägt Prada ihren Durchbruch feierte. 2023 ist sie auch im Netflix-Film Pain Hustlers zu sehen.


Matthew „Matt” Damon, geboren am 8. Oktober 1970, ist ein vielfach ausgezeichneter, US-amerikanischer Schauspieler und Drehbuchautor. Er wuchs in einem Vorort von Boston auf und widmete sich während seiner Schulzeit und an der Universität der Schauspielerei. Mit den Filmen Good Will Hunting und Der Soldat James Ryan erlangte er Ende der 90er große Bekanntheit.


Das Porträt über den „Vater der Atombombe“ ist zugleich Drama und Thriller. In 180 Minuten kann man sich gut in den von Cillian Murphy verkörperten, nachdenklichen Physiker Julius Robert Oppenheimer (1904-1967) hineinversetzen.


Wir verlosen "Oppenheimer" jeweils zwei Mal auf Blu-ray und als 4K UHD Discs.


Um an der Verlosung teilzunehmen, sendet uns bitte bis zum 21. Dezember eine E-Mail mit dem Betreff "Oppenheimer" an verlosung@buddymag.de.



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