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Interview: Wigald Boning über das Wandern - mit Kindern, Humor und ohne Kleidung


Wigald Boning Der Fußgänger Wandern
(c) Gräfe und Unzer / Jörg Koch

Nach Lauf, Wigald, Lauf, einem Buch über Marathonläufe, veröffentlicht Komiker und Autor Wigald Boning mit Der Fußgänger ein neues Werk über das Wandern.


Herr Boning, müssen Sie stets in Bewegung sein?

Durchaus. Ich war noch nie ein Stubenhocker und muss regelmäßig raus. Wandern ist die Grundlage, ich begreife die wiederkehrenden Bewegungen als Bewegungsmeditation. Ich komme in einen träumerischen Zustand, der einen etwa von Alltagssorgen befreien kann.


Sie sind früher jeden Sonntag mit Ihrem Vater gewandert. Waren Sie auch mit Ihren Kindern viel unterwegs?

Ich bin gerne mit meinen beiden mittlerweile erwachsenen Kindern unterwegs. Der eine macht auch anspruchsvolle Alpinwanderungen, beim anderen reicht es für ausgedehnte Spaziergänge. Ich habe sie also eher zum Wandern angestiftet. Mit meinem Sohn Cyprian war ich oft in den Bergen, als er etwa fünf Jahre alt war. Er ist vorangelaufen, auf einem nicht gerade sicheren Gelände, deshalb habe ich ein Brustgeschirr mit einer Leine besorgt, was uns wahrscheinlich aussehen ließ, wie ein Hundehalter mit voranstürmendem Hund.


In Ihrem Buch geht es auch um Kleidung beim Wandern. Was gehört für Sie unbedingt zur Wanderausrüstung?

Eine ganze Outdoor-Industrie stellt sich die Frage, mit was man am besten unterwegs ist: Mir fällt spontan die Plastikdose in Form einer Banane ein. Nach meiner Erfahrung sind gefühlte 95 Prozent der angebotenen Dinge nicht notwendig, um zu wandern. Wirklich unverzichtbar sind nur die Füße.


Wie ist es beim Nacktwandern – geht man da auch ohne Schuhe?

Ich zumindest schon. Auf offiziellen Nacktwanderkursen tragen die meisten Leute Schuhe, was einleuchtet. Aber ich selbst war schon barfuß unterwegs und habe damit – je nach Terrain – gute Erfahrungen gemacht.


Ihr Buch mischt das Thema „Wandern“ mit Humor, Sie selbst sind in diesem Metier beruflich unterwegs: Sind Sie beim Wandern im Gegenzug ernsthaft?

Wenn ich privat wandere, unterliege ich weniger einem Pointenzwang als beruflich. Es mischen sich verschiedene Gedanken oder ich denke gar nicht, das ist auch möglich. Das kann ich sehr genießen.


Zu welcher Jahreszeit wandern Sie am liebsten?

Ich habe lange im Allgäu gewohnt und mag dort besonders die Zeit rund um die erste Maiwoche, wenn der Löwenzahn blüht. Aber auch der Altweibersommer und der Herbstbeginn, wenn man in leichten Höhen schon über dem Nebel stehen kann, rufen bei mir diffuse religiöse Gefühle hervor.