DWARF 3 - das smarte Teleskop im Test
- Redaktion
- vor 2 Stunden
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Was ist das DWARF 3?
Wer schon immer einmal Galaxien, Nebel oder die Sonne fotografieren wollte, aber von der Komplexität herkömmlicher Teleskope abgeschreckt wurde, für den könnte das DWARF 3 von DwarfLab interessant sein. Es gehört zur Kategorie der sogenannten "Smart Telescopes" – also intelligenter Teleskope, die fast alles automatisch erledigen: Ausrichten, Nachführen und sogar das Fotografieren.
Im Gegensatz zu einem klassischen Teleskop schaut man beim DWARF 3 nicht durch ein Okular. Stattdessen verbindet man das Gerät per WLAN mit einer App auf dem Smartphone oder Tablet. Wer sich jetzt wundert "Aber wie soll ich unterwegs an mein WLAN kommen?" kann beruhigt sein, das DWARF 3 macht sein eigenes WLAN für die Steuerung per App auf. Auf dem Smartphone oder Tablet erscheint das Bild in Echtzeit, und mit der Zeit werden die aufgenommenen Fotos automatisch übereinander gelegt („gestackt“), wodurch immer mehr Details sichtbar werden. Dieses Prinzip nennt man "Live-Stacking".
Technische Daten im Überblick
Hersteller | DwarfLab |
Preis (UVP) | ca. 499–599 USD (je nach Angebot) |
Teleobjektiv | 35 mm Apertur, 150 mm Brennweite (f/4,3) |
Effektive Brennweite | 737 mm (durch Sensor-Crop) |
Sensor | Sony IMX678 STARVIS 2, 8,3 MP (3840 × 2160) |
Pixelgröße | 2 µm |
Interner Speicher | 128 GB |
Akku | 10.000 mAh, ca. 4–6 Stunden Laufzeit |
Gewicht | 1,3 kg |
Maße | 22 × 14 × 6,5 cm |
Interne Filter | VIS, Astro, Dual-Band |
Konnektivität | WLAN (eigenes Netz oder Heimnetz), USB-C |
App | DWARFLAB (Android & iOS) |
Stativanschluss | 1/4-Zoll-Standard (Stativ nicht im Lieferumfang) |
Was ist in der Box?
Zum Lieferumfang gehören das DWARF 3 selbst, ein magnetischer Sonnenfilter (wichtig für sichere Sonnenbeobachtung), ein USB-C-Ladekabel, ein Reinigungstuch und eine kompakte Transporttasche. Auffällig ist, dass kein Stativ beiliegt – anders als beim Vorgänger DWARF II. Das DWARF 3 passt aber auf jedes gängige Fotostativ mit 1/4-Zoll-Gewinde. Wer noch keins hat, sollte also ein einfaches Stativ dazu einplanen.
Design und Verarbeitung
Das DWARF 3 sieht nicht aus wie ein herkömmliches Teleskop. Es hat eine rechteckige, flache Form in Silbergrau und erinnert eher an ein kleines technisches Gerät als an ein Fernrohr. Mit nur 1,3 kg Gewicht und kompakten Abmessungen passt es problemlos in einen Rucksack oder eine Kameratasche. Das macht es besonders attraktiv für alle, die ihr Teleskop zu dunklen Beobachtungsorten mitnehmen möchten.
Das Gerät verfügt über zwei Kameras: ein Teleobjektiv für Deep-Sky-Objekte, Mond und Sonne, sowie ein Weitwinkelobjektiv für Landschaften, Milchstraße und sogar Tierbeobachtung. Zwischen beiden kann in der App umgeschaltet werden.
Einrichtung und erste Schritte
Die Inbetriebnahme ist erfreulich unkompliziert: Akku aufladen, auf ein Stativ schrauben, einschalten und die DWARFLAB-App installieren. Die Verbindung per WLAN funktioniert über das eigene Netzwerk des Teleskops oder über das heimische WLAN. Die App ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar und wird regelmäßig aktualisiert.
Um Deep-Sky-Objekte zu finden, nutzt das DWARF 3 ein Verfahren namens „Plate Solving“: Es fotografiert den Sternhimmel, vergleicht das Bild mit einer internen Datenbank und weiß dann genau, wohin es schaut. Danach kann man in der App aus einem Sternatlas ein Ziel auswählen, und das Teleskop fährt automatisch dorthin. Das funktioniert in der Praxis erstaunlich zuverlässig.
Im Praxiseinsatz
Deep-Sky-Fotografie:
Das DWARF 3 ist besonders stark bei größeren Nebeln und Galaxien. Die Andromedagalaxie (M31) passt beispielsweise perfekt ins Bild. Bereits nach etwa 10 Minuten Live-Stacking werden Details sichtbar, die mit bloßem Auge oder einem einfachen Teleskop unsichtbar wären. Die drei internen Filter (VIS, Astro und Dual-Band) helfen dabei, je nach Objekt und Lichtverschmutzung das beste Ergebnis zu erzielen. Der Dual-Band-Filter ist besonders nützlich in lichtverseuchten Stadtgebieten, da er störendes künstliches Licht herausfiltert.
EQ-Modus:
Neu beim DWARF 3 ist der äquatoriale Modus (EQ-Modus). Damit kann das Teleskop eine vereinfachte Polausrichtung durchführen, was längere Belichtungszeiten von bis zu 60 Sekunden ermöglicht. Das führt zu schärferen Sternen und weniger Bildrauschen. Die Einrichtung erfordert etwas Übung: Man richtet die Rückseite des Geräts nach Norden aus und neigt es im Winkel des eigenen Breitengrads. Ein Assistent in der App hilft dabei.
Sonne und Mond:
Mit dem mitgelieferten Sonnenfilter lassen sich schöne Aufnahmen von Sonnenflecken machen. Auch der Mond zeigt ansprechende Kraterdetails. Allerdings wirken Sonne und Mond aufgrund der Brennweite etwas klein im Bild – verglichen mit Teleskopen, die eine längere Brennweite haben.
Tageslicht-Nutzung:
Das Weitwinkelobjektiv eignet sich auch am Tag für Landschaftsfotos, Panoramen und Tierbeobachtung. Damit ist das DWARF 3 nicht nur ein reines Nachtgerät, sondern ein vielseitiges Werkzeug.
Akku und Konnektivität
Der interne 10.000-mAh-Akku hält im Normalbetrieb etwa 4 bis 6 Stunden. Bei sehr kalten Nächten kann die Laufzeit deutlich kürzer ausfallen. Praktisch: Man kann eine Powerbank per USB-C anschließen, um die Beobachtungsnacht zu verlängern. Das Aufladen dauert in der Regel zwischen 70 und 95 Minuten.
Ein positiver Nebeneffekt des Akkus: Er hält das Gerät warm genug, sodass die Linsen auch bei feuchten Nächten kaum beschlagen – obwohl es keine eingebauten Heizungen gibt.
Die WLAN-Reichweite ist begrenzt. Solange man sich in der Nähe des Geräts aufhält (etwa 10 bis maximal 15 Meter), funktioniert die Verbindung zuverlässig - im besten Fall bleibt man eh neben dem Gerät stehen, denn in der Praxis ist nichts nerviger, als wenn man im perfekten Moment für ein Foto mit einem Verbindungsabbruch genervt wird. Vorteil für Couch-Kartoffeln: Wer das Teleskop über das heimische WLAN betreibt und zum Beispiel auf den Balkon oder auf die Terrasse stellt, kann es sogar bequem von drinnen steuern.
Die DWARFLAB-App
Die App ist das Herzstück der Bedienung. Sie dient als Sucher, Fernsteuerung und Bildbearbeitung zugleich. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet und wurde während unseres Testzeitraums mit einem optischen Refresh versehen. Einsteiger werden sich in der Bedienung nach rund einer halben Stunde zurechtfinden. Ein integrierter Sternatlas zeigt an, welche Objekte gerade sichtbar sind, und ein virtueller Joystick erlaubt die manuelle Steuerung.
Vorteile und Nachteile
✅ Vorteile | ✓ Extrem kompakt und leicht (1,3 kg) – ideal für unterwegs ✓ Sehr einfache Einrichtung, auch für absolute Anfänger ✓ Automatische Objektfindung (GoTo) funktioniert zuverlässig ✓ Drei interne Filter inklusive Dual-Band gegen Lichtverschmutzung ✓ Dual-Kamera-System: Tele und Weitwinkel in einem Gerät ✓ Großer interner Speicher (128 GB) ✓ EQ-Modus für längere Belichtungen und schärfere Sterne ✓ Auch am Tag für Landschaft und Tierbeobachtung nutzbar ✓ USB-C-Betrieb mit Powerbank möglich ✓ Regelmäßige Firmware- und App-Updates |
❌ Nachteile | ✗ Kein Stativ im Lieferumfang enthalten ✗ Nicht geeignet für Planetenfotografie (zu geringe Brennweite/Apertur) ✗ Sonne und Mond wirken etwas klein im Bild ✗ Akkulaufzeit bei Kälte deutlich verkürzt ✗ WLAN-Reichweite begrenzt (ca. 10–15 m ohne Heimnetz) ✗ Gelegentliche Verbindungsprobleme mit der App ✗ Kein visuelles Beobachten möglich (kein Okular) ✗ Konkurrenz (z. B. ZWO Seestar S30) teilweise günstiger ✗ Kleine Pixel (2 µm) können bei hellen Sternen Überbelichtung verursachen |
Für wen ist das DWARF 3 geeignet?
Das DWARF 3 richtet sich in erster Linie an Einsteiger, die ohne Vorkenntnisse in die Astrofotografie einsteigen möchten. Wer keine Lust hat, sich mit Polausrichtung, Autoguiding und komplizierter Montierung zu beschäftigen, findet hier einen sehr niedrigschwelligen Einstieg. Auch für erfahrene Astrofotografen kann das DWARF 3 als kompaktes Zweitgerät für unterwegs interessant sein.
Wer allerdings Planeten wie Jupiter oder Saturn im Detail fotografieren möchte, wird mit dem DWARF 3 an Grenzen stoßen. Dafür braucht es ein Teleskop mit deutlich mehr Brennweite und Apertur. Auch wer das klassische „Durchschauen“ durch ein Teleskop bevorzugt, wird hier nicht fündig – das DWARF 3 ist ein rein digitales Gerät.
Fazit
Das DWARF 3 ist ein beeindruckendes kleines Gerät, das hält, was es verspricht: Es macht Astrofotografie für jedermann zugänglich. Die Kombination aus kompakter Bauweise, automatischer Objektfindung, internen Filtern und einem vielseitigen Dual-Kamera-System ist für den Preis bemerkenswert. Die Bildqualität ist für ein Gerät dieser Größe überraschend gut – wer zusätzlich die Rohdaten in Software wie Siril oder PixInsight nachbearbeitet, kann noch deutlich mehr herausholen.
Klar ist: Das DWARF 3 ersetzt kein professionelles Teleskop-Setup. Es ist aber ein relativ unkomplizierter Einstieg in ein faszinierendes Hobby und macht vom ersten Abend an Spaß. Wer irgendwann ambitioniertere Projekte umsetzen möchte, wird über kurz oder lang auf traditionellere Ausrüstung umsteigen – aber als Sprungbrett und Reisebegleiter ist das DWARF 3 kaum zu schlagen - wenngleich die 549 US-Dollar als Investition gut überlegt sein wollen.




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